Offlinehandel in der Krise ?

Man hört es ja an jeder Ecke: das Internet mache den stationären Handel kaputt. Eine neue IFH Studie „Stand, Land, Handel 2020“ kommt zu dem Schluß, das bis 2020 rund 45.000 Ladengeschäfte von der Schließung bedroht sind.

Klar: 2014 wurden fast 43 Millarden Euro – das ist 10% des deutschen Gesamthandelsvolumens – im Internet umgesetzt.  2015 wird das auf knapp 12% steigen und bis 2020 auf 15%, wenn man Lebensmittel etc rausrechnet, vermutlich sogar 25%

Die Einschnitte im Offlinehandel wird es geben, sie werden aber höchst unterschiedlich verteilt sein. Attraktive Innenstädte sowie Stadtstaaten werden weniger Befürchtungen haben müssen, als die ländlichen Gebiete in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Daran beteiligt wird nämlich auch der Bevölkerungsrückgang sein, und dieser ist in diesen Bundesländern besonders groß.

(Der Chartbericht kann über den Online Shop des IFH Köln bestellt werden.)

Doch nur auf den Onlinehandel zu schimpfen wird nicht helfen. Denn auch dieser steht direkt vor einem massiven Umbruch: „Nach Jahren des ungebrochenen Wachstums folgt nun eine Phase der Konsolidierung im Onlinehandel mit neuen Strategien für die Zukunft“ schreibt der Bundesverband Onlinehandel auf seiner Homepage:

  • wie stark wird Amazon ?
  • schaffen die Verbundgruppen und Einkaufsgemeinschaften endlich den Sprung in den Onlinehandel?
  • was wird aus Ebay und Paypal ?
  • wie global und lokal wird der Onlinehandel ?
  • Kann die Industrie erfolgreich Onlinehandel mit dem Mittelstand in Deutschland treiben ?

Aus unserer Sicht wird vor allem der vierte Punkt ein sehr wichtiger sein. Während einige Händler noch scheinbar schreckstarr auf Amazon und Ebay blicken, treiben andere ihren Handel Richtung Internationalisierung und Lokalisierung voran, also zum Beispiel:

  • mehrsprachige Shops
  • rechtssichere Texte für die verschiedenen Länder (nicht bloße Übersetzungen)
  • Berücksichtigung der Zahlungswünsche der jeweiligen Endverbraucher (Beispiel: Frankreich: Scheck und Carte Bleue, Italien: Postepay, Deutschland: Kauf auf Rechnung)
  • aber auch: Abholung und Rücknahme im Onlineshop gekaufter Waren im Ladengeschäft. Rücksendung im Ladengeschäft gekaufter Waren an die Onlineadresse. Ladengeschäfte mit einem Teil der Produkte+Beratung, Rest über Bildschirme (im Laden!) über das Internet bestellbar.

Es ist ein Fehler zu glauben, es sei ein Naturgesetz das der Offlinehandel unter dem Onlinehandel leiden muss. Vielmehr werden die Händler die Gewinner sein, die beides miteinander verschmelzen und ausbauen.
Schon 2009 schrieb Andreas Steinle in der Studie „Sales Design – vom Point of Sale zum Point of Interest“ :

„Handel kann Theater sein. Dabei muss die Aufführung nicht allen gefallen – aber einigen richtig gut (…)Natürlich ist das Theater bei Hollister oder Abercrombie & Fitch für mich persönlich nicht von Interesse. Aber die Zielgruppe steht Schlange, um in den Laden zu dürfen.“

Oder 2013 die Designausstellung „Fissler – for your Fantasy“, bei der Kaufhof und der Topfhersteller Fissler zusammen Kochgeschirr zu riesigen Skulpturen verwurstete – das zog die Menschen an, und da es auf ein paar Produkte auch Rabatte gab, wurde auch kräftig verkauft.

Ob man nun also im Möbelgeschäft die Kinder im Bällebad abgeben kann, im PC Store Computerkurse besuchen kann oder im Gemüseladen um die Ecke tolle Kochkurse für Singles buchen kann – jedem Offlinehändler stehen Möglichkeiten offen, auf sich aufmerksam zu machen. Und wer nach dem Kochkurs einen Newsletter mit Rezepten und Gewürz-Sonderangeboten erhält, bleibt dem Händler vielleicht noch lange erhalten.