Hoher Krankheitsstand bei Paketzustellern

30,6 Fehltage – das ist der offizielle Krankheitsstand bei Paketzustellern im Jahr 2018. Zum Vergleich: der Durchschnittliche Krankheitsstand in Deutschland liegt bei 17,4 Tagen. Das ergaben die Zahlen der Berufskrankenkassen.

Nur ein Bruchteil meldet sich überhaupt krank

Noch nicht einmal eingerechnet:

Die allermeisten kranken Zusteller arbeiten weiter, weil sie sich in Subunternehmen befinden und Angst um ihren Job haben, oder selbstständig für Hungerlöhne als Subunternehmer arbeiten und Angst haben, Aufträge zu verlieren.

Versand boomt weiter

Mindestens 3,6 Millarden Pakete werden dieses Jahr an Endverbraucher verschickt werden. Der Versand boomt, doch die Zusteller bleiben auf der Strecke. Teilweise klingelt es bei den Endverbrauchern noch um 22h an der Haustür, manchmal sogar Sonntags. Denn die Firmen können nicht mehr hinterher. Ende Mai, Anfang Juni, zeichnet sich ein Bild ab, das man sonst nur aus der Weihnachtszeit kennt.

Doch viele kennen nicht die prekären Arbeitsbedingungen der Zusteller, mit niedrigen Stundenlöhnen, teilweise sogar unter dem gesetzlichen Mindestlohn, und kaum vorhandener sozialer Absicherung.

Der Bundesrat hat nun die Regierung aufgefordert, ein Gesetz zum Schutz der Zusteller zu verabschieden. Gelingen soll dies über eine sogenannte Nachunternehmer Haftung. Das würde bedeuten dass DHL+Co direkt für die Arbeitsbedingungen bei ihren Subunternehmen haftbar gemacht werden können.

Gehälter sinken seit Jahren

Während im Durchschnitt in den Jahren 2007-2017 die Gehälter um 24% stiegen, sanken die in der Zusteller Branche um 13%. Verdiente ein Paketzusteller im Jahr 2007 noch 2859€, so waren es im Jahr 2017 nur noch 2478.

Auch das ist ein Grund dafür, warum niemand mehr freiwillig diesen Job macht. Höhere Versandkosten erscheinen hier unausweichlich – wenn sie denn auch den Zustellern zugute kommen, in Form von höherem Gehalt oder niedrigerer Arbeitsbelastung.