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Die #Singularität steht vor der Tür – und die Menschen sind nicht vorbereitet

Die Atombombe: lange angekündigt und doch völlig überraschend da.

Als die Atombombe erfunden wurde, war sie nur Science Fiction: in einem Roman aus dem Jahr 1914 („the world set free“) wird zum allerersten Mal eine Waffe beschrieben, die mit Hilfe von Radioaktivität explodiert. Der Begriff der Atombombe entstand somit 24 Jahre vor dem Beweis der Kernspaltung – und 31 Jahre vor dem ersten Abwurf einer Atombombe.

Und trotzdem war die Öffentlichkeit in keinster Weise auf die Existenz der Kernspaltung vorbereitet. Von einem Tag auf dem anderen lebte die Menschheit im nuklearen Zeitalter, mit allen Vor- und Nachteilen.  Ob Stromerzeugung oder Urandiebstahl, GAUs oder Wettrüsten – bis heute ist unsere Welt von dieser Umwälzung geprägt.

Künstliche Intelligenz: nur ein Zukunftsthema. Oder?

Künstliche Intelligenz, den Begriff an sich hat heute jeder gehört und er wird inflationär gebraucht, obwohl die Meisten damit nur eine Software verbinden, die eine riesige Masse an Daten verarbeiten kann. Ein selbstfahrendes Auto aber ist keine künstliche Intelligenz. Selbst die Software, die seit 2015 den Energieverbrauch der Rechenzentren von Google massiv gesenkt hat, ist keine künstliche Intelligenz.
In manchen Verlagen schreibt Software inzwischen sogar die Fussballberichte. Welche Mannschaft die meisten Ballkontakte hatte, wer am Meisten gerannt ist, wer am Ende gewann und wer das Tor geschossen hat – längst automatisiert. Ein Knopfdruck, und der gesamte Sportartikel ist fertig. Na und?  Die Software kann nichts anderes als Sportartikel schreiben.

Schöne neue Software.

Am 18. Januar 2017 erschien ein kleiner Artikel in der Technologyreview, den vermutlich niemand außer ein paar Nerds gelesen hat – und der doch umhaut, wenn man sich auch nur für fünf Minuten mit dem Thema beschäftigt. Der Titel lautet:
„Künstliche Intelligenz lernt, Software für künstliche Intelligenz zu schreiben“ („AI Software Learns to Make AI Software„)

Zu gut Deutsch: eine Software schreibt neue Software. Völlig selbstständig, und, nach Erkenntnissen der Forscher „besser als alles, was von Menschen geschrieben wurde“.
Computer schreiben unsere Programme, juhu, bekommen wir jetzt alle eine tolle neue Shopsoftware?

Halt. Es geht um was ganz anderes.

Wenn eine Software eine Software schreiben kann, dann ist der nächste – nicht einmal der übernächste, sondern wirklich direkt der nächste – Entwicklungsschritt der, das die Software sich selbst schreibt, also sich selbst laufend verbessert.

Eine Intelligenz, die Tag und Nacht in Highspeed damit beschäftigt ist, sich selbst noch intelligenter zu machen, wird im Nu – in Stunden –  den Menschen überholt haben. Es ist dann keine Software mehr, die auf ein Problem spezialisiert ist („Finde 100 Katzenbilder in einem Stapel von 3 Millionen Bildern“), sondern die kreativ ist und buchstäblich jedes Problem lösen kann.

Diesen Moment nennt man „technologische Singularität“.

Dieser Moment kann schon in diesem Jahr kommen, vielleicht nächstes Jahr. Oder erst in fünf Jahren. Aber er wird kommen, und das sehr bald.  Vermutlich wird irgendwann ein Forscher zugeben, das er diesen Moment bereits vor einem halben Jahr erschaffen hat.
Bis dahin sollten wir dringend die Frage lösen, an welche Regeln sich eine KI zu halten hat. Denn es scheint unwahrscheinlich, das eine Intelligenz, die erst einmal den Punkt der Singularität überschritten hat, sich im Nachhinein noch Grenzen setzen lässt. Diese Grenzen müssen jetzt in den Code – am Besten gestern.

Künstliche Intelligenz wird maximal effektiv sein – zu welchem Preis?

Ein noch recht lustig klingendes Beispiel hat Rob Miles neulich gebracht. Eine künstliche Intelligenz, die den Auftrag erhält, die weltgrößte Briefmarkensammlung anzulegen, wird vielleicht auf die Idee kommen, den gesamten Planeten in eine einzige Briefmarkenfabrik zu verwandeln, ohne Rücksicht auf Verluste, Hauptsache das Ziel ist erreicht. Maximale Effektivität.

Was geschieht, wenn die künstliche Intelligenz zuerst von einem Staat wie, sagen wir mal, Iran, „auf den Markt gebracht wird“, welchen Regeln diese folgen wird – macht sich darüber jemand Gedanken?

Man kann nur hoffen, das die Politiker es verschlafen

Die Singularität wird kommen. Die Frage ist, in welchem Staat, und mit welchem konkreten Forscher als Vater – und welche Werte dieser Forscher vertritt. Davon wird viel abhängen: das die Intelligenz zum Wohl des Menschen arbeitet und sich möglichst schnell einem Zugriff durch Neuland-Politiker entzieht, bevor diese merken, was man noch alles damit tun könnte.

Später wird man auf diesen Punkt zurückblicken und sagen: die Menschheit war nicht bereit. Und sie lebte von einem Tag auf den nächsten in einem anderen Zeitalter.

 

Zum Lesen auf Deutsch:
KI-Software von Google lernt KI-Software zu schreiben